• Miss Daisy

Hinter den Kulissen: 24/7 Pinup

Aktualisiert: 12. Aug. 2019


photo by Pretty Confetti by Miss Vintage
Leipzig, Hauptbahnhof

Ich war noch sehr klein, als meine Mutter morgens mit unanfechtbaren Argumenten versuchte mich davon zu überzeugen, dass man bei Regen und 3 Grad Celsius in einer Hose mit langärmligem Pullover dazu wärmer steckte, als im blauen Lieblingskleid, für das es mal mindestens 18 Grad bräuchte. Ich erinnere mich nicht mehr genau, wie die Diskussion endete - mal siegte der Verstand und manchmal eben die sich schon damals deutlich zeigende Liebe zu Kleidern und Röcken - je ausfallender beim Drehen, desto besser!


Als die Pubertät kam, war ich genauso verloren, wie die meisten Teenager. Bloß nicht auffallen, am liebsten verschwinden...mein Lieblingsteil war damals ein dunkelblauer Hoody.

Doch später fand ich zurück zum anfänglich so geliebten femininen Stil. Mich begeisterte alles, was mit Rüschen verziert oder geblümt war, ausladend geschnitten oder eine Schleife hatte. Das Internet machte es möglich, wirklich finden zu können, wonach man suchte und so baute ich mir über längere Zeit ein Netzwerk auf, in dem ich immer genau fand, was ich mir vorstellte. Dieser Prozess vollzieht sich täglich und ich werde es nie leid, mir die Rockabellas und Vintage Mädchen auf den sozialen Netzwerken anzuschauen und zu sehen, was ich lernen kann.


Ich habe momentan wirklich keine Hose im Schrank - ausgenommen einer schwarzen Sporthose fürs Fitnessstudio. Oft fragt man mich, ob es nicht zu kalt für Strumpfhosen sei, nicht zu heiß für einen Petticoat und nicht zu nass draußen für ein weißes Kleid. Die Antwort ist ganz einfach - natürlich NICHT! Strumpfhosen gibt es mit Wollanteilen, der Petticoat reicht bis zu den Knien, wo sie praktisch genau an die Stiefel anschließen.

Und wenn es heiß ist? Dann bewahrt der Unterrock davor, dass sich das Kleid beim Laufen immer wieder an die Beine schmiegt oder vom Wind hochgerissen wird - und mal ehrlich, wer trägt schon täglich Unterwäsche, die sich spontan jedermann zeigen ließe??

Es sind nur Ausreden, denn im Kleid lässt sich hervorragend wandern, Boot fahren, mit dem Hund Gassi gehen oder was weiß ich nicht noch.


Es macht mir einfach gute Laune, wenn ich morgens den Kleiderschrank öffne und mir auswähle, wonach ich mich fühle. Manchmal braucht mein Gemüt ein Kleid mit Blumen, manchmal sind es Polkadots oder etwas Einfarbiges. Sich so anzuziehen erfreut dabei nicht nur mein eigenes Herz, sondern auch das vieler Menschen, denen ich so begegne - eigentlich bekomme ich täglich mindestens einen positiven Kommentar von wildfremden Menschen auf der Straße, aber klar, auch das muss man mögen ;)


Seit vielen Jahren sammle ich Kleider und Accessoires, die im Stil der 40er und 50er Jahre sind. Ich gehöre keiner Szene an oder folge gar irgendwelchen stilistischen Regeln. Ich kleide und schmücke mich so, wie es mir gefällt - und jeder kennt mich so. Das bin einfach ich.


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